{"id":1376,"date":"2019-12-24T18:06:11","date_gmt":"2019-12-24T17:06:11","guid":{"rendered":"http:\/\/van-lessen.org\/Wordpress\/?page_id=1376"},"modified":"2020-02-25T10:19:20","modified_gmt":"2020-02-25T09:19:20","slug":"nachruf-freerk-van-lessen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/van-lessen.org\/Wordpress\/nachruf-freerk-van-lessen\/","title":{"rendered":"<h2><center>Nachruf auf Freerk van Lessen<\/center><\/h2>"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\">\n    {<br \/>\n        font-size: 12x;<br \/>\n        margin-bottom: 11px;<br \/>\n        line-height: 50%;<br \/>\n    }<br \/>\n    <\/style>\n<p style=\"margin-top: 20px;\">\n<p><a href=\"..\"><em>Zur\u00fcck zur Startseite<\/em><\/a><\/p>\n<p>Mein Vater <a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/individual.php?pid=I1345&amp;ged=van-Lessen\">Freerk van Lessen<\/a>, gestorben am 19. Oktober 2019.<\/p>\n<p style=\"margin-top: -20px\u201c; \u201eline-height: 30%;\"><em>Ich schlief und tr\u00e4umte das Leben w\u00e4re Freude.<br \/>\nIch erwachte und sah, das Leben war Pflicht.<br \/>\nIch handelte und siehe, die Pflicht war Freude.<\/em><\/p>\n<p><em>Tagore<\/em><\/p>\n<p><em>Eingangszitat im Buch der Familie van Lessen f\u00fcr seine Kinder<\/em><\/p>\n<p>Mein Vater Freerk van Lessen (357) wurde am 12.1.1926 in Holtgaste als Sohn von <a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/individual.php?pid=I1299&amp;ged=van-Lessen\">Cornelius Carl<\/a> (221) und <a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/individual.php?pid=I0581&amp;ged=van-Lessen\">Swanhild<\/a> van Lessen geboren. Es folgten drei Schwestern, <a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/individual.php?pid=I1236&amp;ged=van-Lessen\">Almuth<\/a> Jg. 1927 (358), Anke Jg. 1935 (359) und Maike Jg. 1948 (360).<\/p>\n<p>Mein Vater hatte eine gl\u00fcckliche Kindheit. Er wuchs vor allem mit seiner Schwester Almuth auf. Die Schulzeit hat er belastend erlebt, durch den sehr ungerechten Lehrer, der hat noch mit einem Riemen geschlagen, oft aus einer Laune heraus.<\/p>\n<p>lm 2. Weltkrieg wurde Freerk 1943 im Alter von 17 Jahren eingezogen. Durch viel Gl\u00fcck und Bewahrung kam er aus sibirischer Gefangenschaft am 12.10. 1945 v\u00f6llig unterern\u00e4hrt und traumatisiert zur\u00fcck. Damals glaubte er, dass er nie wieder arbeiten k\u00f6nnte. An dem Abend erf\u00fcllte sich sein Wunsch nach einem warmen Bad und einem frischen Pfannkuchen. Seine Mutter p\u00e4ppelte ihn \u00fcber Wochen behutsam wieder auf. Nach den Aussagen meines Vaters hat er sich lange Jahre mit Albtr\u00e4umen gequ\u00e4lt. Deshalb hat er f\u00fcr die damalige Zeit wahrscheinlich erst sp\u00e4t geheiratet.<\/p>\n<p>Am 29.12.1956 heirateten meine Eltern Freerk und Elisabeth. Sie bekamen drei Kinder, mich, Elke (493) Jg. 57, Cornelius (494) Jg. 1958 und Wilke (495) Jg. 1960.<\/p>\n<p>Mein Vater bewirtschaftete einen 49 ha gro\u00dfen Gr\u00fcnlandhof, den er von seinem Vater 1954 pachtete. Es traten bald Probleme auf beim Umtrieb der K\u00fche durch den zunehmenden Autoverkehr und durch die verstreuten Felder. Wir siedelten dann auf Betreiben meines Vaters im Februar 1962 aufgrund von Zusammenlegungsverfahren aus dem Dorf Holtgaste einen Kilometer entfernt aus. Er hatte dort einen neuen Hof geplant. Nicht nach der bisherigen \u00fcblichen Bauweise eines Anbindestalles, sondern nach reiflichen \u00dcberlegungen und vielen Besichtigungen neuerer Bauweisen entstand langsam das \u201eklein Texas\u201c, ein Freilaufstall mit Havestor. Es war eine schwere entbehrungsreiche Zeit, die eingetauschten L\u00e4ndereien waren bisher nur extensiv genutzt worden und befanden sich in einem schlechten Zustand. Es gab keine funktionierende Entw\u00e4sserung, so wuchsen dort Binsen und Seggen. Dazu kam eine katastrophale Zuwegung, und der ganze Neubau musste gerammt werden. F\u00fcr die erste Zeit musste ein Brunnen f\u00fcr das Trinkwasser gebohrt werden, das war sehr eisenhaltig, und das Wasser musste aufbereitet werden. Erst im Juni konnte der Wasseranschluss, nachdem das Bett des Kanals aufgesprengt wurde, fertig gestellt werden. F\u00fcr den Freilaufstall wurden die K\u00fche enthornt. Das Rheiderland stand Kopf, und die Schauerm\u00e4rchen vom Hof van Lessen \u00fcberboten sich, z.B. geplatzte K\u00f6pfe der Tiere durch Frost. Im Herbst 1962 sagte ein Landwirt von B\u00f6hmerwold: Wenn du int Mors geist, dann lacht heel B\u00f6hmerwold s\u00fcck doot\u201c.<\/p>\n<p>lm Herbst 1962 baute mein Vater die ersten Boxen f\u00fcr die Tiere, aus einfachen Brettern. Diese Idee bekam er durch einen Besucher, der in den USA gewesen war. Stundenlang hat mein Vater im Stall gesessen und geplant. Dies war die Geburt des ersten Boxenlaufstalls in Europa. Ich erinnere mich an die vielen interessierten Besucher, ganze Busladungen besichtigten \u00fcber Jahre unseren Hof.<\/p>\n<p>1978 wurde mein Vater f\u00fcr seine Pionierarbeit von dem Minister Ertl geehrt. Mein Vater schrieb: \u201eDie ersten Jahre sind wir auf einem ganz schwachen finanziellen Grat gewandert. Meine Familie hat mit mir durchgehalten, sonst w\u00e4re das Schiff untergegangen. Ein besonderer Dank gilt meiner Frau Elisabeth. Sie hat mich arbeitsm\u00e4\u00dfig nie in Stich gelassen.\u201c<\/p>\n<p>Das Jahr 1980 war ein schweres Jahr. Zuerst verstarb mein Opa Cornelius, mein Vater hatte im Sommer unverschuldet einen schweren Autounfall und lag Monate lang im Krankenhaus. Zum Ende des Jahres verstarb seine ein Jahr j\u00fcngere Schwester Almuth an den Folgen einer Operation.<\/p>\n<p>Seit 1949 geh\u00f6rte mein Vater der Freiwilligen Feuerwehr von Holtgaste an. Ehrenamtlich war mein Vater im Verbandsausschuss der Rheider Deichacht, im Vorstand Landwirtschaftlicher Zweigverein Niederrheiderland, Gr\u00fcndungsmitglied des Maschinenrings, und er geh\u00f6rte zu den Holtgaster J\u00e4gern. Bis ins hohe Alter erwies sich mein Vater beim Schie\u00dfen als sehr treffsicher.<\/p>\n<p>Er war 1984 Gr\u00fcndungsmitglied des Familienverbandes van Lessen und hat sich \u00fcber einem Zeitraum von 35 Jahren in verschiedenen Funktionen u.a. als Kassenwart, Vorstand und zuletzt als Ehrenvorstand mit gro\u00dfem Engagement f\u00fcr unseren Verband eingesetzt.<\/p>\n<p>Bis zum 30.4.1990 betrieben meine Eltern die Landwirtschaft, dann \u00fcbernahm mein Bruder Wilke mit seiner Frau Gunda den Hof. Meine Eltern sind nach Bingum gezogen. Viele Jahre unterst\u00fctzte er seinen Sohn mit Rat und Tat. Unter anderem passte er auf die Enkelkinder w\u00e4hrend der Melkzeit am Nachmittag auf.<\/p>\n<p>Mein Vater hatte nun Zeit. Er begann seine Arbeit im Vorstand des Familienverbandes zu intensivieren. Er unterst\u00fctzte die langwierige Aufarbeitung der vielen Daten und Korrekturen um das Buch der Familie van Lessen (1993) voran zu treiben.<\/p>\n<p>Endlich hatte er auch Zeit, um die handschriftlichen Unterlagen und Dorfchroniken seiner Mutter Swanhild (verst. 1989) von dem Dorf, der Familien und des Krieges aufzuarbeiten. Daraus entstand dann die Idee, ein Buch f\u00fcr seine Kinder \u00fcber die eigene Familie van Lessen zu schreiben (1992). Sp\u00e4ter folgten weitere B\u00fccher: Das Dorf Holtgaste (1997), Wir vergessen Euch nicht &#8211; die Kriegsgefallenen von Holtgaste (1999), Bentumersiel (2001), Der Jagdclub armer Leute (2005), und ein Heftchen \u00fcber seine Kriegszeit. Sein Interesse galt auch dem Holtgaster Friedhof. Es gibt zwei dicke Ordner dar\u00fcber. Alle Grabsteine wurden von ihm regelm\u00e4\u00dfig fotografiert. Regelm\u00e4\u00dfig ging er zu den Treffen von der Ostfriesischen Landschaft und war Mitglied im Weeneraner Museum.<\/p>\n<p>Mein Vater hat mit 89 Jahren seinen F\u00fchrerschein abgegeben, das waren ein gro\u00dfer Einschnitt und eine Einschr\u00e4nkung f\u00fcr das Paar. Es machte ihn richtig traurig. Nun konnte er nicht mehr Besorgungen und Besuche durchf\u00fchren. Auch Beerdigungen aufzusuchen fiel ihm zusehends schwerer. \u00dcber die Jahre machten sich die Folgen des schweren Autounfalls bemerkbar. Er lief immer schlechter. Dazu kam noch eine Schwerh\u00f6rigkeit, die ihn von den geliebten Gespr\u00e4chen abschnitt. \u00dcber Jahre lebte er mit seiner Altersleuk\u00e4mie und dem nun schwachen Herzen recht gut, er wurde zwar zusehends k\u00f6rperlich schw\u00e4cher, aber er hielt sich tapfer und klagte nie. In seiner letzten Woche st\u00fcrzte er mehrmals, und er kam ins Krankenhaus. Er erholte sich nicht mehr und verstarb am fr\u00fchen Morgen des 19.10. 2019. Auch an den letzten Tagen ertrug er mit gro\u00dfer Geduld und Tapferkeit sein Leiden.<\/p>\n<p>Welch eine ungeheure Leistung, Mut, Engagement und Durchhaltewillen erkenne ich aus dem Leben meines Vaters. Es hat mich sehr ber\u00fchrt, dieses in Kurzform f\u00fcr den Familienbrief festzuhalten. In Gedenken an einen tapferen Mann.<\/p>\n<p>Elke van Lessen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck zur Startseite Mein Vater Freerk van Lessen, gestorben am 19. Oktober 2019. Ich schlief und tr\u00e4umte das Leben w\u00e4re Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht war Freude. 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