{"id":1790,"date":"2020-02-21T19:28:00","date_gmt":"2020-02-21T18:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/van-lessen.org\/Wordpress\/?page_id=1790"},"modified":"2020-02-24T17:46:11","modified_gmt":"2020-02-24T16:46:11","slug":"pastor-bokeloh-in-boehmerwold-und-marienchor","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/van-lessen.org\/Wordpress\/pastor-bokeloh-in-boehmerwold-und-marienchor\/","title":{"rendered":"<h4><center>Pastor Heinrich Gerhard Bokeloh in B\u00f6hmerwold und Marienchor<\/center><\/h4>"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\">\n     p {<br \/>\n       hyphenate-limit-chars: auto 5;<br \/>\n       hyphenate-limit-lines: 2;<br \/>\n       hyphens: auto;<br \/>\n       margin: 0  0  13px;<br \/>\n       line-height: 140%;<br \/>\n     }<br \/>\n     div.a {<br \/>\n       text-indent: -4em;<br \/>\n       padding-left: 4em;<br \/>\n     }<br \/>\n     #mbz {<br \/>\n       margin-bottom: 0px;<br \/>\n     }<br \/>\n    <\/style>\n<p style=\"margin-top: 10px;\"><a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/Wordpress\"><em>Zur\u00fcck zur Startseite<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Einf\u00fchrung: Heinrich Gerhard Bokeloh (1908 &#8211; 1957) war Mitglied der Bekennenden Kirche und von 1936 bis 1951 Hilfsprediger in Jemgum. Er wurde am 21. Mai 1936 in Marienchor in das Pfarramt eingef\u00fchrt. Die Gemeinden B\u00f6hmerwold und Marienchor waren damals unter einem Pfarramt vereinigt. Zu Beginn des Krieges im September 1939 wurde er wegen einer Predigt in Marienchor in das Konzentrationslager Oranienburg eingewiesen. Nach zweieinhalb Jahren wurde er von dort entlassen und dann als Soldat eingesetzt. Seit 1945 war er wieder als Pastor in seiner Gemeinde t\u00e4tig. Am 15. Oktober 1951 wurde Pastor Bokeloh nach Plantl\u00fcnne versetzt. Sein fr\u00fcher Tod ist wohl auf Sch\u00e4digungen im Konzentrationslager zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p><u>Bericht \u00fcber eine Reise nach Berlin zwecks Freilassung von Pastor Bokeloh<\/u><\/p>\n<p>Am 16. Dezember 1941 fuhren <a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/individual.php?pid=I1256&amp;ged=van-Lessen\"> <span style=\"color: #0000ff;\"> Anneus van Lessen<\/span><\/a>, B\u00f6hmerwold, mit Pastor <a href=\"https:\/\/bunkermuseum.de\/pdf\/kriegsende_1945_emden\/kriegsende_emden_brunzema_1945.p65.pdf\"> <span style=\"color: #0000ff;\">(Gerhard) Brunzema<\/span><\/a>, Emden, und Kromminga, Marienchor, nach Berlin zur Geheimen Staatspolizei, um eine Haftentlassung von Pastor Bokeloh, der seit dem 13. September 1939 im Konzentrationslager sa\u00df, zu erwirken.<\/p>\n<p>Anwesend Regierungsrat<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_Roth_(SS-Mitglied)\"> <span style=\"color: #0000ff;\">(Erich) Roth<\/span><\/a>, Assessor Hanenbruch, van Lessen aus B\u00f6hmerwold, Kromminga aus Marienchor, Brunzema aus Emden.<\/p>\n<p>Regierungsrat Roth erkl\u00e4rte, dass die Reise unn\u00f6tig gewesen sei. Es sei in dieser Sache nichts zu machen. Darauf wies P. Brunzema darauf hin, dass die pers\u00f6nliche Besprechung in Sachen des G.V.J.H. Emden guten Erfolg gehabt h\u00e4tte, und dass auch in der Sache Bokeloh eine Besprechung g\u00fcnstig sein k\u00f6nnte. Es handele sich darum, f\u00fcr einen echten, aufrichtigen deutschen Mann einzutreten.<\/p>\n<p>Van Lessen berichtete nun davon, dass er P. Bokeloh gut kenne, dass er sehr offen und ehrlich sei, und dass man keine Bedenken haben m\u00fcsse, ihn frei zu lassen, damit er als Soldat seinen Dienst tun k\u00f6nne. Dann nahm Regierungsrat Roth die Akten vor und las vor, was die Zeugen \u00fcber Bokelohs Predigt ausgesagt h\u00e4tten. Es seien 4 Zeugen vernommen worden, die in ihren Aussagen \u00fcbereinstimmten. Dieser Krieg sei ein Gottesgericht \u00fcber das stolze und hochm\u00fctige deutsche Volk, das sich gegen Gott emp\u00f6rt h\u00e4tte. Gott werde schon das Volk dem\u00fctigen. Die milit\u00e4rischen und politischen Erfolge seien sehr unsicher, und es sei ein Tanz auf Seifenblasen, die bald zerplatzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>P. Brunzema wies darauf hin, dass Lehrer Meyer ihm gegen\u00fcber erkl\u00e4rt habe, dass in der Predigt nicht von milit\u00e4rischen und politischen Erfolgen gesprochen worden sei, sondern nur allgemein von Erfolgen des Menschen, dass er aber es so verstanden h\u00e4tte, dass es sich um die politischen und milit\u00e4rischen Erfolge in Polen handele. Der Einwand wurde zwar geh\u00f6rt, aber nicht ernst genommen.<\/p>\n<p>Eine l\u00e4ngere Aussprache entstand \u00fcber die Demut. P. Brunzema wies darauf hin, dass selbst der F\u00fchrer gesagt habe: In Demut danken wir dem Herrgott f\u00fcr den Sieg. Also sei Demut vor Gott nicht eine Erniedrigung des Menschen, sondern in der Demut nehme der Mensch die Stellung zu Gott ein, die ihm geb\u00fchre. Hiergegen konnten die Herren nichts sagen, aber sie vertraten dennoch die Ansicht, dass durch den Ruf zur Demut der Widerstandswille des Volkes geschm\u00e4lert sei. P. Brunzema wies darauf hin, dass der Krieg kein Am\u00fcsement sei, das sich ein Volk w\u00fcnschen k\u00f6nnte, sondern eine Heimsuchung. Dass die Bibel klar davon rede, dass Kriege Folgen der S\u00fcnde seien und dass gegen das Ende der Welt mit Kriegen zu rechnen sei. Wer das auf Grund der Bibel sage, untergrabe den Widerstandswillen nicht, sondern bereite die Menschen vor und gebe ihnen Anlass, sich auf ernste Zeiten einzurichten.<\/p>\n<p>Es wurde von den Herren einerseits behauptet, dass P. Bokeloh die ihm zur Last gelegten S\u00e4tze zugegeben h\u00e4tte, andererseits, dass er versucht h\u00e4tte, sie in demselben Sinne wie P. Brunzema abzuschw\u00e4chen. Kromminga machte darauf aufmerksam, dass er die Predigt in Marienchor geh\u00f6rt h\u00e4tte, dass ihm aber solche S\u00e4tze wie in den Zeugenaussagen, nicht zu Ohren gekommen seien. Zuerst wurde darauf erwidert, dass manche Leute in der Kirche schliefen. Dann wurde aber gesagt, dass er es aus seiner Einstellung nicht so verstanden h\u00e4tte, wie es die Zeugen h\u00e4tten verstehen m\u00fcssen. Besonders Assessor Hanenbruch bestand immer wieder darauf, dass ein Pastor sich so unmissverst\u00e4ndlich ausdr\u00fccken m\u00fcsste, dass jeder ihn richtig verstehen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>P. Brunzema machte darauf aufmerksam, dass ja ein Schreiben vorl\u00e4ge in dem 12 Zeugen erkl\u00e4rten, dass durch die Predigt die Einsatzbereitschaft f\u00fcr Volk und Vaterland in keinster Weise gemindert sei. Regierungsrat Roth wusste nichts davon, Assessor Hanenbruch kannte die Eingabe, aber beide taten sie ab, als h\u00e4tte sie keine Bedeutung. Es wurde aber darauf hingewiesen, dass hier 12 Zeugen gegen 4 st\u00fcnden.<\/p>\n<p>Van Lessen und Kromminga traten noch einmal f\u00fcr P. Bokeloh und seinen ehrlichen Charakter ein, gaben aber an, dass er in seiner Ausdrucksweise \u00f6fters unklar gewesen sei, so dass es wohl einmal Missverst\u00e4ndnisse gegeben h\u00e4tte. Aber es h\u00e4tte ihm immer fern gelegen, irgendwie versteckt etwas zu sagen. Die Gemeinde k\u00f6nne es nicht verstehen, dass er nicht Soldat sei. Dass er im KZ sei, sei f\u00fcr die Gemeinde eine schwere Belastung.<\/p>\n<p>Die Herren erkl\u00e4rten, dass sie wegen der schweren Verfehlungen des P. Bokeloh nicht an Haftentlassung denken k\u00f6nnten. Jetzt, da das Volk sich auf einen l\u00e4ngeren Krieg einrichten m\u00fcsste, k\u00f6nnte man solche Leute nicht loslassen. Sie h\u00e4tten, wie bei einem Gericht, nicht nur das Belastende, sondern auch das Entlastende ber\u00fccksichtigt. Kromminga machte noch auf die Notlage der Familie aufmerksam, aber das wurde kaum geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Herren h\u00e4tten nat\u00fcrlich kein Interesse daran, Pastoren zu verhaften und in Haft zu halten, aber hier ginge es nicht anders. \u00dcberdies w\u00fcrde er in der Haft gut behandelt, man redete von Dachau, aber war sich nicht einig, ob er nun in Dachau oder Oranienburg sei.<\/p>\n<p>Auf Anfrage von P. Brunzema sagten sie, dass die Entscheidung \u00fcber P. Bokeloh bei ihnen l\u00e4ge, und dass man keine andere Stelle deswegen besuchen k\u00f6nne. Auf die Zustimmung der Parteistellen zur Haftentlassung legte man keinen besonderen Weit. P. Bokeloh w\u00fcrde mindestens noch ein halbes Jahr in Haft bleiben m\u00fcssen. Aber es wurde nicht fest zugesagt, dass es dann ein Ende h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Auf die Frage, was man noch in der Sache tun k\u00f6nne, hie\u00df es, man k\u00f6nne ja schriftlich Eingaben machen und zweckdienliche Mitteilungen der Stapo einschicken, aber von pers\u00f6nlichen Besuchen solle man absehen, weil sie zwecklos seien und zu viel Zeit und Geld kosteten.<\/p>\n<p>Es scheint mir aus der Unterredung einiges klar geworden zu sein:<br \/>\n1. Die Verl\u00e4ngerung der Haft hat ihren Grund in der politischen und milit\u00e4rischen Lage. Im August rechnete man mit einem baldigen Ende des Krieges und damit war eine Haftentlassung im Dezember begrei\ufb02ich. Jetzt zieht man den Termin hinaus.<br \/>\n2. Die 12 Zeugen f\u00fcr P. Bokeloh sind unangenehm und werden deshalb beiseitegelegt. Man wird daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass dies Zeugnis richtig geh\u00f6rt und ernst genommen wird. Wenn bei der Unterredung ein Mann gewesen w\u00e4re, der gesagt h\u00e4tte: Ich habe die Predigt geh\u00f6rt und diese Ausdr\u00fccke sind nicht gefallen! Dann w\u00e4re die Lage gekl\u00e4rt.<br \/>\n3. Es ist sehr wichtig, die Aussagen des Lehrer Meyer zu bekommen, da man dann wirklich wei\u00df, was genau behauptet wurde, und da man dann allein in der Lage ist, die Anklagen zu widerlegen. Es war uns bei der Unterredung nicht m\u00f6glich, die S\u00e4tze zu notieren oder im Ged\u00e4chtnis genau festzuhalten.<br \/>\n4. Ich w\u00fcrde empfehlen, etwa am 29. XII. eine Sitzung der beiden Kirchenr\u00e4te anzusetzen, zu der auch Pastor (Gerd Hesse) Goeman zu laden w\u00e4re, um den ausf\u00fchrlichen Bericht der 3 zu h\u00f6ren, und um dann zu beraten, was nun weiter zu machen ist. Die Gestapo erwartet sicher Antwort auf die Anklagen, die sie gegen P. Bokeloh erhoben hat, und wir sollten ihr die Antwort nicht schuldig bleiben.<br \/>\n5. Es kann und darf sich f\u00fcr uns bei dieser Sache nur darum handeln, die Wahrheit ans Licht zu bringen, ob sie nun geh\u00f6rt wird oder nicht. Die Kirche und die Gemeinde und der Angeschuldigte haben alle das gr\u00f6\u00dfte Interesse daran, den Tatbestand genau festzustellen. Da die Herren bei der Gestapo gr\u00f6\u00dften Wert darauf legten, dass sie gerecht geurteilt h\u00e4tten im Falle Bokeloh, und dass sie leider nicht anders handeln k\u00f6nnten. So m\u00fcssen wir alles tun, um dieser Stelle eine klare Erkenntnis der Sachlage zu Verschaffen. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch in diesem Falle die Wahrheit zum Sieg kommt.<\/p>\n<p><em>Vorstehender Text ist abgeschrieben aus dem Buch \u201eGemeinde-Chronik B\u00f6hmerwold-Bovenhusen\u201c, verfasst von <a href=\"http:\/\/van-lessen.org\/individual.php?pid=I1256&amp;ged=van-Lessen\"> <span style=\"color: #0000ff;\"> Anneus van Lessen<\/span><\/a>. Ein Buch befindet sich in der <a href=\"https:\/\/www.ostfriesischelandschaft.de\/4.html\"> <span style=\"color: #0000ff;\">Landschaftsbibliothek<\/span><\/a> in Aurich.<\/em><\/p>\n<p><em>Weiterer Text aus dem genannten Buch:<\/em><br \/>\nAm 22.1.1946 bekam Lehrer Meyer die Nachricht, dass er aus dem Schuldienst entlassen sei. Meyer sollte mit dazu beigetragen haben, dass Pastor Bokeloh 1939 in ein Konzentrationslager gebracht wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck zur Startseite Einf\u00fchrung: Heinrich Gerhard Bokeloh (1908 &#8211; 1957) war Mitglied der Bekennenden Kirche und von 1936 bis 1951 Hilfsprediger in Jemgum. Er wurde am 21. Mai 1936 in Marienchor in das Pfarramt eingef\u00fchrt. Die Gemeinden B\u00f6hmerwold und Marienchor waren damals unter einem Pfarramt vereinigt. 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